Nach dem „Stadtleben“ in Queenstown führte uns unsere geplante Reiseroute nun ins krasse Gegenteil: In die pure Natur!
Aber wie immer, erstmal alles von Anfang an:
Nach dem Frühstück fuhren wir relativ früh (8 Uhr 30) in Richtung Manapouri, im Südwesten Neuseelands gelegen, da von dort aus unsere erste Fjord Tour startete. Wir hatten bereits in Berlin einen „overnight-Cruise“ gebucht. Das bedeutet im Endeffekt, dass wir die Nacht auf einem Boot inmitten des Doubtful Sounds verbringen würden. Pünktlich kamen wir an der Bootsablegestelle des wunderschönen Lake Manapouri an. Nachdem wir uns mit einem Lunch-Paket eingedeckt hatten, ging es erstmal auf einer einstündigen Fahrt über den See in Richtung Fjord. Ich ahnte jedoch schon böses, da der Alterdurchschnitt auf diesem Boot bereits ca. 55-60 Jahre alt war! Doch noch waren wir ja nicht auf dem wirklichen Übernachtungsboot angekommen, also konnte ich erstmal hoffnungsvoll die wunderbare Landschaft um den See herum begutachten. Am Ende dieser Bootsfahrt kamen wir an einem Kraftwerk an (welches übrigens 15 % des neuseeländerischen Energiebedarfs deckt) und stiegen dort in einen Bus. Mühevoll quälte dieser Bus sich über einen Pass (mit wunderbarer Aussicht über das gesamt Fjordvalley) um uns letztendlich am Anfang (oder Ende?) des Fjordes an einer Bootsanlegestelle abzusetzen.
Dort bestiegen wir (endlich) das besagte Boot und konnten bereits erste Eindrücke des Doubtful Sounds erhaschen. Aber leider wurde ab da an meine Laune immer schlechter. Dies hatte vor allem 2 Gründe:
Meine Theorie hatte sich leider bestätigt. Das Boot glich überspitzt gesagt einem Seniorenheim. Ich hab ja im Endeffekt nix gegen alte Menschen. Das Problem war aber leider, dass 90% dieser Leute wirklich Menschen waren, mit denen Mann nix anfangen kann. Ein Beispielt gefällig: Irgendwelche Vogelliebhaber aus Dänemark oder englische Damen, die sich allzu sehr dem guten neuseeländischen Wein hingaben.
Das hatten wir uns echt anders vorgestellt und selbst mein Vater war nach gut einer Stunde von den alten Herrschaften etwas genervt. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Umso mehr hatten wir jedoch gehofft, dem zweiten Problem aus dem Wege zu gehen (mit dem wir jedoch rechnen mussten): Das Wetter war richtig sch*****!
Die Fjorde sind zwar bekannt für hohe Niederschlagsmengen, aber insgeheim hatten wir doch gehofft, dass sich wenigstens ab und zu die Sonne blicken lässt. Aber Pustekuchen…fast die ganze Zeit regnete es und die Fjorde waren voller Wolken behangen. Zwar kam dadurch eine mystische Stimmung auf, aber die Laune war dadurch natürlich nicht gerade auf dem Höhepunkt.
Aber wir machten das Beste draus. Ich hatte mich zwar auf ein paar einsame und vor allem ruhige Stunden auf Boot eingestellt, aber gerade das war zu meinem Bedauern nicht möglich. Raus ans Deck konnte man sich nicht lange aufhalten, es sei denn man wollte die Wheather Girls imitieren, aber auch drinnen im so genannten Salon bzw. im Bordrestaurant hielt man es nicht lange aus. Ein Crewmitglied erklärte nämlich fast die ganze Fahrt alles mögliche über die Fjorde. Könnte ja eigentlich auch interessant sein, aber die Informationen waren nicht nur langweilig, sondern auch schwer verständlich (normalerweise versteh ich eig. ganz gut englisch). Also nahm ich mir mp3-Player und ein Buch uns setzte mich in den Salon. Aber auch dort waren wieder sämtlich Leute versammelt und immer wenn das Crewmitglied etwas ansagte, gingen ALLE (ja wirklich alle) versammelten Leute auf die erwähnte Seite und machten Fotos. Ich kam mir vor, wie auf einer japanischen Touristentour (obwohl kein einziger Asiate an Board war).
Aber genug der schlechten Worte, der Tag war halt sch*****, also ging ich früh (22 Uhr) in unsere 4 Bett Kabine, was übrigens erstaunlich gut ging, da die Engländer in unserer Kabine wohl die einzigen Vernünftigen an Board waren (jedoch auch deutlich über 50) und schlief kurz darauf auch ein.
Am nächsten Morgen (7 Uhr Frühstück) hatte sich das Wetter nicht wirklich verbessert, wenigstens regnete es jetzt zeitweise nicht mehr. Jedoch wurde der Trip etwas besser. Das lag zum einen an den (Tier-)Attraktionen (wir sahen Robben, Pinguine, Delphine), zum anderen aber auch an einer Aktion, die echt beeindruckend war. Nach dem Frühstück auf der Rückfahrt zur Anlegestelle, stoppte unser Schiff in einer Bucht und stellte für 5 Minuten Motoren, Licht etc. aus und die Crew bat um „5 minutes of silence“. Trotz dieser, ich nenn es mal, „aufgezwungenen“ Aktion, war es echt beeindruckend nur der Natur zu lauschen und man bekam eine Gänsehaut, da wirklich niemand etwas sagte (auch wenn es vielen Rentnern sichtlich schwer fiel :-P).
Als wir wieder zu unserem Auto kamen, war ich zwar froh wieder an Land zu sein, andererseits war die Natur, die uns am Doubtful Sound begegnete (Tiere, die man sonst nicht sieht, die grünen Regenwälder, die hohen Berge) echt beeindruckend. Deshalb kann man als Fazit dieser Tour sagen: …hmm mir fällt kein gutes Fazit ein J
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